Hunde verstehen - Als soziale Rudeltiere

Wolf und Hund

Das wölfische Erbe unserer Hunde...


Selbst nach über 15.000-jähriger Domestikation liegt die genetische Übereinstimmung von Hund und Wolf bei 99,96 %. Ob Chiwawa oder Deutsche Dogge, jeder Hund trägt das wölfische Erbe in sich. Nach jahre-langen Beobachtungen an wild lebenden Wölfen fasst der anerkannte Wolfsforscher Günther Bloch 

zusammen:  "Die generellen Grundstrukturen im sozialen Miteinander Mensch/Hund sind dieselben wie innerhalb von Wolfsfamilien. Wolf, Mensch und Hund sind sozial, territorial und sie sind Jäger."

Rangordnung und Eltern-Pflichten...

 

Es wird viel diskutiert über Dominanz, Rangordnung und Unterwerfung. Das Thema ist komplex und lädt ein, missverstanden zu werden. Ich möchte hier kurz meine Interpretation von Rudel und Rangordnung beschreiben.

 

Als Mutter und Hundemensch sehe ich viele Parallelen in der Erziehung von Kindern und Hunden.  In einem wild lebenden Wolfsrudel bedeutet Alpha-Tier/Paar oder Leittier/Paar, dass es ein erfahrenes, souveränes Wolfs-Paar gibt, welches meist die Elterntiere der anderen Wölfe sind und die deswegen dem Rudel vorstehen. Man könnte diese Leittiere mit der Rolle der Eltern in einem Menschen-Familienverband vergleichen. Auch da richtet sich das Zusammenleben aller Familien-Mitglieder nach Regeln, die von den Eltern als Familienoberhäuptern aufgestellt und kontrolliert werden

 

Diese klaren Strukturen geben Kindern wie auch Wölfen oder Hunden die Orientierung und Sicherheit, die sie unbedingt brauchen. Auf diesem festen Fundament können sie sich dann flexibel und angstfrei entwickeln. Denn Fakt ist, dass eine antiautoritäre Erziehung schon bei Kindern nicht funktioniert hat, bei Hunden kann sie fatal enden. Das gilt auch dann, wenn der Hund die Familie als "Kind, Enkel oder Partner-Ersatz" bereichern soll.

 

Gute Eltern und Leittiere zeichnen sich aus durch Lebenserfahrung, Souveränität, Zuverlässigkeit, Vertrauenswürdigkeit, respektvollen Verhalten und Verantwortungs-bewußtsein. Sie sorgen für das Wohlergehen der Familie, geben ihr Fürsorge und Geborgenheit. Konflikt-Situationen lösen sie mit möglichst viel Ruhe, Gelassenheit und Kompetenz. Auf Fehlverhalten reagieren Sie angemessen, fair und konsequent, ohne Aggression oder Gewalt. Wenn nötig, schlichten sie Auseinandersetzungen und sorgen für den sozialen Zusammenhalt der Gruppe. Ihre Aufgabe ist es, rechtzeitig Entscheidungen zum Wohle aller Beteiligten zu treffen, Gefahren zu erkennen und abzuwehren. Schon deswegen tun die Familien-Mitglieder gut daran, sich freiwillig an den Anführern zu orientieren, um das eigene Überleben zu sichern.

Im gemischten Mensch/Hund-"Rudel" hat der Mensch die Aufgabe, die Rolle der Eltern, also die Führung und die Verantwortung zu übernehmen. Er ist derjenige, der rechtzeitig wichtige Entscheidungen für die Gruppe trifft. Der Hund weiß instinktiv, dass ein Rudel einen Anführer braucht, um zu überleben. Wenn der
                    Mensch daher in entscheidenden Situationen die Gruppe nicht anleitet und
                    schützt, übernimmt der Hund diese Aufgabe. 

 

Im Allgemeinen und ganz besonders in der Hundeerziehung bestimmen Ausnahmen die Regel. Aus einem falschen Rollenverhältnis heraus können jedoch vielfältige Probleme entstehen. Oft ist ein vermeintlich dominanter oder problematischer Hund nur ein schlecht erzogener Hund, der einen unklaren oder falschen Platz im Familienverband eingenommen hat.  

 

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